Rezension: Gegessen von Sonja Vukovic

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Titel: Gegessen: Wer schön sein will, muss leiden, sagt der Schmerz…

Autorin: Sonja Vukovic

Genre: Autobiografie

Verlag: Bastei Lübbe

Format: Taschenbuch (broschiert)

Preis: 15,00€ [D]

Seiten: 288

 

Klappentext

… wer Erfolg möchte, muss kämpfen, sagt die Angst. Wer leidet, muss schweigen, sagt die Erfahrung. Du bist gut, wie du bist, sagt die Liebe…

„Ich schreie: ‚Du liest doch so unglaublich viel. Dann nimm dir mal ein Scheißbuch und lies mal ein scheißbisschen was über die Scheißbulimie. Lies von Essstörungen und Magersucht, lies von der Sucht, immer weniger sein zu wollen. Lies, warum ich meinen Körper ablehne, warum ich nachts schwitze und tagsüber zittere. Lies, warum ich mich hasse. Anstatt dich. Lies, was du aus mir gemacht hast.'“

13 Jahre lang litt Sonja an Magersucht und Bulimie, eine Sucht, die sie fast ihr Leben kostete.

 

Inhalt

Ausgekotzt – Ein Leben nach Missbrauch und Bulimie
In Deutschland leiden immer mehr Mädchen und Jungen in immer jüngeren Jahren an Essstörungen. Eine davon war Sonja Vukovic, sie litt dreizehn Jahre an Anorexie und Bulimie. Bis sie sich endlich traute, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Mit ihrer eigenen Geschichte offenbart die heute Einunddreißigjährige schonungslos die Schrecken einer Essstörung, die sie fast ihr Leben gekostet hätte. Immer auf der Grenze zwischen Rausch und Krankheit führt Vukovic uns tief in ein Unheil hinein, in das jeder von uns stürzen könnte – und zeigt, wie sie es in ein gesundes und glückliches Leben schaffte.Sonja Vukovic schreibt so fesselnd, dass man als Leser geradezu süchtig danach wird, zu erfahren, wie ihre Geschichte weitergeht. Zwischen Scheitern und Sehnen, Verzweiflung und Erwartung bricht Vukovic Tabus, macht Betroffenen Hoffnung und legt den Finger in die Wunde der Gesellschaft, die dem Rausch huldigt, Süchtige aber verachtet.

Sonja Vukovic hat als Journalistin mit Schwerpunkt Biografie, Gesellschaftskritik und Sozialpolitik bereits für „Die Welt“, „stern.de“ und „Spiegel“ geschrieben. Sie wurde mit dem „Grimme Online Award“ und dem „Axel-Springer-Preis“ ausgezeichnet. 2013 erschien ihr internationaler Bestseller „Christiane F. – Mein zweites Leben“. Nach dem Aufbau der „F. Foundation“ für Suchtprävention und -aufklärung schreibt sie nun an weiteren Büchern. Heute lebt Sonja Vukovic in Berlin und ist Mutter einer Tochter.

Erst einmal vielen Dank an den Bastei Lübbe Verlag, der mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. ❤

 

WARNUNG: Menschen, die selbst zu Süchten, Depressionen, Bulimie oder Magersucht neigen, rate ich von dem Buch ab, da es triggernd sein kann!

 

Meine Meinung

Das Cover zeigt das schöne Profil der Autorin, um die es in dem Buch geht. Sie sieht hübsch aus, ist jedoch stark verpixelt. Man kann sie also nur verschwommen wahrnehmen. Ich habe diesen Effekt so interpretiert, dass sie zwar hübsch ist und schön geschminkt, aber man sie nicht richtig erkennen kann, was darauf hindeuten könnte, dass alles nur Fassade ist.

Sonja Vukovic erzählt sehr anschaulich ihre eigene Geschichte, verknüpft mit Erkenntnissen, die sie auf dem Weg, aus der Krankheit, gesammelt hat. Meiner Meinung nach erwähnt sie alle relevanten Geschehnisse, sodass man als Leser ihren Leidensweg mitbestreiten und nachvollziehen kann. Die Hintergründe werden gut erläutert und ich fand den Schreibstil sehr gut. Die Geschichte hat mich, vom ersten Moment an, gefesselt und mitgerissen. Die Autorin berichtet sehr authentisch, teilt intime Details und lässt die Hüllen fallen, ohne künstliche Verschönerungen. Sie lädt in ihre Gedankenwelt ein, durch die man ein Verständnis für das Entstehen von Magersucht, Bulimie und anderen Süchten entwickeln kann.

Was mich teilweise sehr wütend gemacht hat, war die Art, wie manche Menschen, aus ihrem damaligen Umfeld, sie wahrgenommen haben. Als sie gegen ein Verbrechen gerichtlich vorgehen will, kann sie von einigen nicht mit Unterstützung rechnen. Der Grund ist, weil sie scheinbar eine Jugendliche war, die viel Aufmerksamkeit gebraucht hatte und anderen damit negativ auffiel. Das führte dazu, dass diese Leute ihr die ‚Opferrolle‘ nicht zugestehen wollten. Nur weil jemand sich nicht wie ein typisches Opfer verhält, (was immer das überhaupt sein soll!) muss das nicht heißen, dass die Person lügt. Das fand ich traurig und schockierend zugleich.

Mir ist positiv aufgefallen, dass Sonja sich nie von ihrer Familie abgewendet hat, auch wenn ihre Mutter emotional labil ist und ihr Vater Alkoholiker. Eigentlich wären das gute Gründe, um sich von ihnen abzuwenden, aber letztendlich merkt man, wie sehr sie ihre Eltern trotz allem liebt und nicht die ganze Schuld bei ihnen sucht.

In dem Buch wird die Leistungsgesellschaft stark kritisiert, nach der wir immer perfekt sein und funktionieren müssen. Das Thema finde ich sehr wichtig und ich konnte gut nachvollziehen, wie man in dem Streben nach Kontrolle und Perfektionismus seine eigenen Bedürfnisse hinten anstellt. Sonja hatte immer das Gefühl perfekt sein und nach außen hin stark wirken zu müssen. Wenn sie Fehler machte, machte sie sich dafür total fertig. Ich glaube mit solchen Problemen, die durch Leistungsdruck entstehen, haben viele Menschen in der heutigen Gesellschaft zu kämpfen. Mich hat das Thema sehr berührt und ich konnte spüren, wie der Schmerz der Protagonistin in mir selbst widerhallte.

An manchen Stellen bin ich ziemlich emotional geworden und hatte Tränen in den Augen oder musste schlucken. Ich war schockiert, wie brutal manche Behandlungsmaßnahmen waren … und habe mir gedacht, dass man sich fühlen muss, wie ein Tier, das zur Schlachtbank bugsiert wird. Das Buch ist, meiner Meinung nach, nichts für schwache Nerven!

Das Ende gefiel mir sehr gut und hat mich überrascht. Mehr verrate ich natürlich nicht, um nichts vorwegzunehmen. 🙂

 

Fazit

Das Buch ‚Gegessen‘ erzählt von der authentischen Lebens- und Leidensgeschichte Sonja Vukovics, bei der ich bis zur letzten Seite mitgefiebert und auf eine Besserung der Lage und den Sieg über die Krankheit gehofft habe. In einem außerordentlich guten Schreibstil nimmt Sonja mit auf ihre scheinbar hoffnungslose Leidensgeschichte und lässt dabei alle Hüllen fallen. Während des Lesens habe konnte ich total mitfühlen und habe mitgelitten. Für mich war die Message des Buches ganz deutlich: bedingungslose Liebe. Hiermit ist nicht nur die Liebe zum Partner gemeint, sondern und vor allem die Liebe zu einem selbst, die ein Fundament bieten kann, aus dem man Kraft schöpfen und in sich ruhen kann. So kann man es schaffen, gesund zu sein, jede Krankheit zu überstehen und anderen Menschen etwas zurückzugeben. Man muss sich nicht mehr mit Drogen, Menschen, Kontrolle oder Extremsport betäuben.

Die Autorin scheut nicht davor ihre intimsten Details zu teilen und dadurch authentisch ihre Geschichte zu erzählen. Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ich kann es nur jedem empfehlen, der sich für die Themen Magersucht, Bulimie, Depression oder Sucht im Allgemeinen interessiert. Ich finde es wichtig, ehrlich über solche Themen zu schreiben und anderen Menschen, die ähnliches durchmachen Mut zu machen, ein kleines bisschen zu helfen und ihnen das Gefühl zu geben, nicht alleine zu sein. Vielleicht regt Sonjas ehrliche und schonungslose Art andere Menschen dazu an ihre Geschichte ebenfalls mit der Welt zu teilen, sich nicht für sich selbst zu schämen und sich die Erlaubnis zu geben zu heilen.

Bewertung: 🌟🌟🌟🌟🌟

 

Hier findet ihr übrigens die Rezension auf meinem BookTube-Kanal. 🙂

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